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Digitalisierung wird gefördert (Gießener Anzeiger, 27.08.2021)

KREIS GIESSEN - (red).  Buchhaltung und Mitgliederverwaltung in einem kompatiblen Programm statt in Aktenordnern oder Besprechungen und Beratungen per Videokonferenz statt vor Ort: Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Arbeit in Vereinen und Verbänden mittels digitaler Hilfsmittel besser und einfacher zu organisieren. Um den digitalen Wandel in ehrenamtlichen Organisationen zu unterstützen, gibt es seit 2020 das Förderprogramm „Ehrenamt digitalisiert!“. Digitalministerin Professorin Kristina Sinema (CDU) hat Förderbescheide für sieben Vereine aus dem Landkreis Gießen mit einer Gesamthöhe von 69 386 Euro auf den Weg gebracht.  15 000 Euro gehen an den TSG Blau-Gold Gießen, 12 320 Euro an die Segelfliegergruppe Steinkopf aus Pohlheim, 12 065 Euro an den Pro Familia Ortsverband Gießen, 9268 Euro an den Förderverein für seelische Gesundheit aus Gießen, 7523 Euro an das H2T-HinterHofTheater in Hungen, 7000 Euro an den Deutschen Kinderschutzbund Orts- und Kreisverband Gießen sowie 6210 Euro an die Musik- und Kunstschule Grünberg. 

„Sie tragen mit Ihrem ehrenamtlichen Einsatz ganz entscheidend zur Stärkung des gesellschaftlichen Miteinanders und zur Aufrechterhaltung des Vereinslebens bei. Dabei möchten wir Sie als Land bestmöglich unterstützen“, sagte Ministerin Sinemus laut einer Pressemitteilung. „In vielen Bereichen können Techniken und Anwendungslösungen das Miteinander erleichtern. Die Zeit, die Sie dadurch gewinnen, kommt den Menschen zu Gute. Jenen, die sich ehrenamtlich einsetzen, ebenso wie jenen, die davon profitieren.“  Der TSG Blau-Gold Gießen will mit dem Fördergeld einen Vereinsraum für professionelle Onlinesitzungen herrichten, damit künftig Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen oder Gruppentreffen per Stream durchgeführt werden können. Weiterhin möchte der Verein seine W-Lan-Infrastruktur weiter ausbauen.  Die Segelfliegergruppe Steinkopf will die interne Mitgliederverwaltung und IT-Infrastruktur modernisieren und digitalisieren, wofür sie Hard- und Software benötigt. Auch die Webseite soll optimiert werden, um unter anderem neue Mitglieder zu gewinnen.  Der Pro Familia Ortsverband Gießen will die Zusammenarbeit mit dem ehrenamtlichen Vorstand, der Arbeitgeberfunktionen ausübt, digitalisieren und damit vereinfachen.  Auch der Förderverein für seelische Gesundheit plant, seine Vorstands- und Mitgliederversammlungen zu digitalisieren, ebenso wie die Schulung der Ehrenamtlichen. Ferner soll ein geschützter Zugriff auf gemeinsam genutzte Daten die Sicherheit erhöhen.  Datenschutz und Datensicherheit sind auch beim H2T-HinterHofTheater Ziel des Projektes. Dazu soll die Vereinsarbeit mit dem Fördergeld insgesamt digitalisiert werden.  Der Orts- und Kreisverband Gießen des Deutschen Kinderschutzbunds will eine Datenbank einführen, um Daten nur einmal erfassen zu müssen, sie aber dann für verschiedene Zwecke nutzen zu können.  In der Musik- und Kunstschule Grünberg soll die ehrenamtliche Vorstandsarbeit stärker online stattfinden, damit die Abläufe einfacher und effektiver werden. 

In diesem Jahr erhalten rund 160 gemeinnützige Institutionen Beträge zwischen 5000 und 15 000 Euro, mehr als 450 Anträge wurden eingereicht. Für das Förderprogramm „Ehrenamt digitalisiert!“ steht ein Budget von rund 1,5 Millionen Euro zur Verfügung.

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Trotz Schwerbehinderung: Selbstbestimmt ins Berufsleben

2021 02 26 Wetzlarer Neue Zeitung Selbstbestimmt ins Berufsleben

Erschienen in der Wetzlarer Neuen Zeitung am 26.02.2021

 

IFD Integrationsfachdienst Foederverein Giessen Wetzlar 2021
Sie helfen, Menschen mit Schwerbehinderung im Arbeitsmarkt zu integrieren: Laura Ruppert (v.l), Fachkoordinatorin Christiane Knipp und Helga Hagel. Foto: Timo König

WETZLAR - Wo arbeitest du? Eine Frage, die in unserem Wirtschaftssystem eine große Bedeutung einnimmt. Schließlich bestimmt der eigene Beruf einen Großteil unseres gesamten Lebens. Christiane Knipp und das Team vom Integrationsfachdienst Gießen/Wetzlar (IFD) setzt sichfür Menschen mit Schwerbehinderung ein, um sie bei der Suche nach einem passenden Job zu unterstützen und zugleich das Selbstwertgefühl der Betroffenen zu steigern. Seit Februar 2020 bezieht Knipp ihr Büro in der Bahnhofstraße in Wetzlar. "Der Lahn-Dill-Kreis hat großes Beratungspotenzial", erklärt die Diplom-Pädagogin, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen Helga Hagel und Laura Ruppert vom Standort Gießen nach Wetzlar gewechselt ist und dort ihren Klienten kostenfrei und unverbindlich bei Beratungsgesprächen zur Verfügung steht. Übliche Auftraggeber und Partner sind das Integrationsamt, das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit. Einige melden sich aber auch auf Eigeninitiative.

Gesetzlich ist jeder Arbeitgeber dazu verpflichtet, fünf Prozent der Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung zur Verfügung zu stellen. Eine Quote, die ab einer Beschäftigtenzahl von 20 greift. Wird die Quote nicht erfüllt, müssen Betriebe eine sogenannte Ausgleichsabgabe leisten. Gelder, von denen die zwölf Berater, Begleiter und Vermittler des IFD bezahlt werden. "Würden alle Unternehmen die Quote erfüllen, wären wir in der Tat arbeitslos", scherzt Christiane Knipp, die für den IFD als Fachkoordinatorin tätig ist.

FÖRDERVEREIN FÜR SEELISCHE GESUNDHEIT

Träger des Integrationsfachdienstes Gießen/Wetzlar ist der Förderverein für seelische Gesundheit, der seit 1974 psychisch kranke und behinderte Menschen in den Bereichen Wohnen, Selbstversorgung, Freizeitgestaltung sowie Arbeit und Berufsleben unterstützt.Die Zentrale des Vereins und seinen einzelnen Abteilungen ist in der Ludwigstraße in Gießen.

Die Eingliederung ins Berufsleben von Menschen mit Schwerbehinderung ist die Tätigkeit, die sich Knipp und ihr Team auf die Fahnenstange geschrieben und zugleichauch zur Herzensangelegenheit gemacht haben. "Es geht prinzipiell darum, einen leidensfähigen Arbeitsplatz für unsere Klienten zu finden. Neben den persönlichen Interessen soll auch berücksichtigt werden, dass am Arbeitsplatz nicht die Gefahr einer Überforderung besteht", erklärt Knipp. "Im Optimalfall finden wir einen kleinen, familiären Betrieb. Die Erfahrung zeigt, dass die Eingliederung in solchen Betrieben am besten funktioniert", ergänzt Helga Hagel, die auf die Vermittlung spezialisiert ist. Üblich ist es, dass Klienten mindestens ein halbes Jahr lang betreut werden. Eine äußerst individuelle und regelmäßige Beratung sei dringend notwendig, um nicht nur die Entwicklungen jedes Einzelnen sorgfältig zu verfolgen, sondern auch eine Art "Fähigkeitsprofil" zu erstellen, das bei der zukünftigen Suche nach einem passenden Betrieb hilfreich sein kann.

Um sicherzustellen, dass die Integration in einen Betrieb gut funktioniert, steht der IFD auch im regelmäßigen Austausch mit den jeweiligen Arbeitgebern. Eindrücke werden geschildert und bei Fragen der Integration und seelischer Gesundheit in der Arbeitswelt im Allgemeinen steht der IFD in beratender Funktion zur Seite. "Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung können teilweise deutlich auseinander liegen", sagt Christiane Knipp in Bezug auf ihre Klienten.
Ein probates Mittel, um die Eignung eines Menschen mit Schwerbehinderung herauszufinden, ist ein Orientierungspraktikum. So läuft unter anderem zusammen mit der Wetzlarer Fröbelschule eine Kooperation, die die Suche nach Praktikumsplätzen für Schüler erleichtern soll. Ein Ansatz, der in Zeiten von Schulschließungen und Homeoffice nur schwer umsetzbar ist. Die Beratungsgespräche mit den Klienten finden aktuell hauptsächlich über Telefon oder per Video statt. "Es ist sicher kein Dauerzustand, aber vor allem die Möglichkeit über Videotelefonie ist doch eine sehr gute Zwischenlösung", berichtet Beraterin Laura Ruppert ihre Erfahrung.
Alle Menschen mit Schwerbehinderung sowie Betriebe aus Wetzlar und dem südlichen Lahn-Dill-Kreis können das Angebot in Anspruch nehmen. Um den Eingliederungsprozess in Zukunft auch in der Zeit nach Corona noch weiter zu optimieren, will der IFD sein Netzwerk und die Bekanntheit in der Region rund um Wetzlar vergrößern. Und auch die eigentlich vor rund einem Jahr geplante Einweihungsfeier des neuen Büros in der Wetzlarer Bahnhofstraße soll dann gebührend nachgeholt werden.


Erschienen am Donnerstag, 25.02.2021 bei

https://www.mittelhessen.de/lokales/wetzlar/wetzlar/trotz-schwerbehinderung-selbstbestimmt-ins-berufsleben_23219601

von Timo König
Volontär

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Wenn Arbeit Sicherheit gibt (Gießener Allgemeine, 10.03.2020)

Gießener Allgemeine, 10.03.2020
von Kays Al-Khanak
Foto: Oliver Schepp

Seit vier Jahren arbeitet Niko Henning bei einem IT-Dienstleister in Gießen. Dass er dort ein wichtiger Teil des Teams ist, ist nicht selbstverständlich. Denn der 33 Jahre alte Mann ist Autist. Sein Weg ist eine Erfolgsgeschichte - mit vielen Beteiligten.

"Niko Henning ist blitzgescheit", sagt sein Chef Guy Simonow vom Gießener IT-Dienstleister Netzlaboranten. Andere beschreiben den 33 Jahre alten Mann als charismatisch und ideenreich. Im Team könne sein Angestellter eine richtige "Granate" sein, ergänzt Simonow. Gleichzeitig sagt Henning: "Bei sozialen Themen ist bei mir ganz schnell die Batterie leer." Auch falle es ihm schwer, Prioritäten einzuordnen. Sein Perfektionismus und die damit einhergehende Selbstkritik mache es ihm nicht einfacher im Alltag. Henning ist Autist. Dass er trotz dieser tiefgreifenden Entwicklungsstörung seit mittlerweile vier Jahren bei dem IT-Dienstleister an der Ostanlage arbeitet, hat viel mit seinem Chef zu tun - und mit den Akteuren, die ihren Beitrag zu dieser erfolgreichen Integration geleistet haben.

FSG Giessen Foto von Oliver ScheppZiel: Teilhabe ermöglichen

Henning hatte sein Informatikstudium an der Technischen Hochschule Mittelhessen abgebrochen und sich beim Jobcenter gemeldet. Von seiner Betreuerin, die ihn zu jener Zeit regelmäßig zu Hause besuchte, erfuhr er von einem Angebot mit dem Namen Unterstützte Beschäftigung (UB). Es ist eine Art Langzeitpraktikum, erklärt Stefan Leyerer, Reha-Abteilungsleiter der Arbeitsagentur, die diese Maßnahme in der Regel zwei Jahre lang fördert. Ziel sei es, Menschen mit Behinderungen eine Teilhabe an der Gesellschaft und auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Träger ist die Bietergemeinschaft des Fördervereins für seelische Gesundheit und der Lebenshilfe. UB-Leiter Martin Schmidt erzählt, Henning sei eigentlich gar nicht die Zielgruppe des Programms. "Das sind eher Menschen, die nicht lesen und schreiben können." Für die meisten der dort unterstützten Teilnehmer wären Langzeitarbeitslosigkeit oder eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung die einzigen Alternativen. Der 33-Jährige hatte jedoch bereits einige Programme durchlaufen - und nicht den richtigen Beruf für sich gefunden.

Es war Zufall, dass ein UB-Betreuer Nachbar des Geschäftsführers der Netzlaboranten ist und ihm Henning empfahl. Für Simonow ist das Thema Autismus nicht neu, arbeitet bei ihm bereits ein Mitarbeiter mit dem Asperger-Syndrom. Nach dem Gespräch mit Henning sei er seinem Bauchgefühl gefolgt und habe ihn im Unternehmen als neunten Mitarbeiter angestellt. Henning sagt: "Ich hätte mich schon dumm anstellen müssen, um nicht genommen zu werden."

Zwei Jahre lang war Henning über die UB in dem Unternehmen beschäftigt. In dieser Zeit arbeitete er vier Tage in der Woche täglich sechs Stunden im Betrieb, an einem Tag ging es zum Gesprächskreis des Projektträgers. Nicht immer lief anfangs alles glatt, erzählt Simonow. Dass sich ein Arbeitnehmer und ein Arbeitgeber erst finden müssen, ist so weit nicht ungewöhnlich. Nur ist besonderes Verständnis und Fingerspitzengefühl des Arbeitgebers und der anderen Mitarbeiter gefragt, wenn der Kollege Autist ist.

Ausdauer als Erfolgsfaktor

Darauf weist auch UB-Leiter Schmidt hin. "Es ist eine tolle Leistung des Unternehmens, weil nicht jeder Arbeitgeber so eine Situation durchgehalten hätte." Der größte Erfolgsfaktor für eine gelungene Integration sei die Ausdauer des Arbeitgebers und des Teilnehmers. Christiane Knipp vom Förderverein für seelische Gesundheit ergänzt: "Herr Simonow hat Herrn Henning geradezu adoptiert. Der Kontakt hört nicht mit dem Feierabend auf." Dieses Verhältnis gebe dem 33 Jahre alten Mann Sicherheit. Selbst wenn er ein Tief habe, wisse er, dass er aufgefangen werde.

In den vier Jahren, in denen Henning bei den Netzlaboranten arbeitet, habe seine Selbstständigkeit stetig zugenommen, sagt Schmidt. Mittlerweile nutze er das betreute Wohnen nicht mehr, erzählt Henning. Er habe einfach keine Zeit mehr dazu, weil er "so viele soziale Termine", Freunde und eine Partnerin habe. Generell fühle er sich sehr gut, sagt der 33-Jährige. So gut, dass er mittlerweile eine "zukunftsorientierte Verzweiflung" empfinde.

 

Link zum Artikel in der Gießener Allgemeinen

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